schloesschen_1950_lowJagdschlösschen aus Eyerlohe, (Haus Nr. 54)

Erbaut 1778 Freiherrn Carl Alexander von Eyb zu Eyerlohe (1743 – 1813) / Keller Bruchsteinbau / Außenwände: verputzter Backsteinbau mit Mansarddach /Innenwände: verputztes Fachwerk.

Zur Geschichte der Familie von Eyb, siehe Fee Freifrau von Eyb / Eugen Schöler, „Eyb, Adelsfamilie“ im Historischen Lexikon Bayern.

Das Schlösschen mit seiner einem Bauernhaus entsprechenden Grundrissgröße von 10x12m weist auf die Gleichzeitigkeit von bäuerlicher Gesellschaft und adeliger Kultur im ländlichen Franken hin. Bauhistorisch bildet es Minimalform eines barocken Landschlösschens und gehört zur Kategorie des aus Frankreich stammenden „maison de plaisance“, was ins Deutsche oft auch mit „Lustschloss“ übersetzt wird. Damit ist ein Freisein von Hofprotokoll und höfischer Etikette gemeint. Zu typischen Lustbarkeiten gehört auch die Jagd, die bis ins 19. Jahrhundert herrschaftliches Privileg ist. Die Dauerausstellung über die „Jagd in Franken. Geschichte und Gegenwart“ im Obergeschoss des Schlösschens verfolgt dieses Thema vom 18. Jh. bis in die Gegenwart. Der Bau wurde in Anlehnung an „Ansbacher Barock“, dessen bekanntester Vertreter: Johann David Steingruber war, als dreiteiliger, symmetrischer Bau errichtet. Im Gartensaal sind die Wände mit Gipsstuck gefeldert, bei der farblichen Ausgestaltung wurden wertvolle Pigmente verwendet. Lapislazuli, Malachit, Schweinfurter Grün und Zinnoberrot kamen hier zum Einsatz.

Die Farbgestaltung der Fassade ist eine Rekonstruktion und entspricht dem bauzeitlichen Farbkonzept. Über die einstige Nutzung der Räume sind keine Quellen überliefert, daher wird von einer Einrichtung des Hauses im Stil des 18. Jahrhunderts abgesehen.

Bis heute ist unklar, ob der Erbauer des wohl kleinsten Schlösschens Frankens in Eyerlohe (1778), Carl Friedrich Alexander v. Eyb zu Eyerlohe und Wiedersbach, sein Jagdschlösschen längere Zeit bewohnte. In Ansbach in markgräflichen Diensten und dort wohl viele Jahre wohnhaft, hatte er unweit des Schlösschens wie viele andere Standesherren einen umhegten „Hirschgarten“, was ihm die Jagd ungemein erleichterte. Deshalb ist es wohl als Jagdschlösschen anzusprechen.
Er entstammt einem alten fränkischen Adelsgeschlecht. Zur Erbauungszeit seines Hauses gehörte er dem Hof-Regierungsrat von Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach (reg. 1757-1791) an und lebte in Ansbach. Mit dem Bau des Schlösschens beauftragte er den Ansbacher Stadtzimmermeister Daniel Zehender (1744/45 – 1808), den er bereits von früheren Aufträgen kannte.

Vor allem aber besaß er als Nachgeborener von Haus aus keine standesgemäße eigene Schlossherrschaft, sondern erst später angeheiratet durch eine Erbschaft seiner Frau Karolina Elisabetha von Stein zum Altenstein und eine weitere Erbschaft aus einem entfernten Familienzweig der v. Eyb auf Dörzbach. Seine insgesamt 12 ehelichen Kinder, von denen die meisten anders als bei seinen Untertanen das Erwachsenenalter erreichten, hätten bei einer Familienfeier wohl die beengten Räumlichkeiten gesprengt. Wenigstens beim kleinen aber feinen repräsentativen Salon im Erdgeschoss ließ sich der von Eybsche Standesherr nicht lumpen und ließ diesen mit der damals schon sehr teuren Farbe aus gemahlenem Malachit-Edelstein ausmalen, wie unser Restaurator erst unter dem Mikroskop entdeckte.

Vielleicht war das Schlösschen Eyerlohe aber vor allem das private Liebesnest der beiden ein Leben lang turtelnden Eheleute eine Tagesreise von Ansbach entfernt. Sie führten ganz unüblich in Adelskreisen, nämlich keine arrangierte Standesehe. Die Braut war 1774 mit 16 Jahren von zu Hause durchgebrannt und der Heiratsvertrag wurde von ihrer Familie nicht mit ratifiziert. Aufreizender Hofklatsch, wurde sie 1775 wegen ihres kranken Mannes allein zum Hofdinner des Markgrafen nach Hof „invitiert“ und musste neben dem Fürsten Platz nehmen. In einem Brief heißt es: „Dieser unterhielt sie oder vielmehr sich selbst mit der Ausfrag- und Erzählung, wie sie ihre Flucht angestellt, vollbracht und weiteres vorgenommen habe … Es war etwas Besonderes, dass sie als die jüngste Kammerherrin bei Serenissimo sitzen musste.“

1856 gelangte das Gebäude in bäuerlichen Besitz. Vor dem Abbau durch das Freilandmuseum befand es sich inmitten eines modernen Wirtschaftshofes und sollte einem Neubau weichen. Mit dem Eyb’schen „Sommerhauß“ wurde das erste Gebäude aus ursprünglich adeligem Besitz in das Museum aufgenommen.

Die strenge Gliederung und seine Proportionen entsprechen der spätbarocken/frühklassizistischen Architekturauffassung und erinnern an die Bauten von Johann David Steingruber (1702 – 1787) in Ansbach. Grundrissform und Anlage der Räume lehnen sich an die französische Schlossarchitektur des 18. Jahrhunderts an.

(das Bild zeigt das Schlösschen am alten Standort in Eyerlohe, 1950. Foto: Fränkisches Freilandmuseum)
Text: Juliane Sander, Fränkisches Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim