Mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Joachim Dittrich, Würzburg, hier ein Bilderrundgang durchs Jagdschlösschen (veröffentlicht auf der Seite www.wehrbauten.de).
Ebenfalls einen herzlichen Dank für die Nutzung der Bilder an Herrn Dittrich und Frau Claudia Kukulka.

Jagdschloß Eyerlohe

„Jetzt öffne ich mal ein Fenster in ein kleines, wirklich putziges Schloß bei Bad Windsheim, in das man sich wirklich verlieben kann.

Im letzten Juli haben wir zweimal das Freilandmuseum Bad Windsheim besucht. Neben vielen bäuerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, mittelalterlichen Häusern und Industriebauwerken gibt es eine Besonderheit:
das kleine, fast quadratische (10 x 12 Meter Grundfläche) Jagdschlößchen der Herren v. Eyb aus Eyerlohe/Landkreis Ansbach.


Das Schloß mit seinem Park


Der ursprüngliche Standort (in Eyerlohe bei Ansbach), die Lageverhältnisse sind fast beibehalten worden. Das Schlößchen ist wieder in der Nähe eines Baches, die Grundstücksgrenzen sind identisch und es liegt vollkommen frei.


Der traurige Zustand um 1950 in einem Bauernhof


Die Schauseite mit dem Gartensaal als Hauptbestandteil


Dann mal rein ins Schloß


Besucher aus dem frühen 19. Jh. waren während des Sommerfestes 2013 auch im Schloß und haben ihren Leiterwagen geparkt

Es wurde 1778 erbaut und diente vornehmlich zur Reiherjagd an der nahen Altmühl. Der ursprüngliche Standort war am Südrand des kleinen Weilers und wurde im Freilichtmuseum fast genauso mit der länglichen Grundstückssituation wieder hergestellt. Das Schlößchen war kurz vor dem Abbau in den Jahren 2003/04 in Gefahr, für einen modernen Bauernhof abgerissen zu werden.
Leider kam es 1856 in bäuerlichen Besitz, was dem Schlößchen zum Nachteil wurde.
Der Bauherr hieß Carl Alexander v. Eyb.
Baumeister war der Ansbacher Stadtbaumeister Daniel Zehntner, der ein in all seinen Bestandteilen minimalistisches Schloß ausführte. An dem Sommersitz bzw. Jagdschloß ist wirklich alles klein gehalten, vom Ofen über den Abort bis zu den Kammern und dem Gartensaal.
Über die Nutzung der Räumlichkeiten ist wenig bekannt, noch weniger ist vom alten Inventar erhalten, weswegen auf eine grundlegende Ausstattung verzichtet wurde. Im ersten Stock ist eine Jagdausstellung zur Geschichte der Jagd in Franken und in einer Kammer neben dem Gartensaal ist eine Einführung in die Mode des 18. Jahrhunderts zu sehen.

Die Küche ist faszinierend. Sie befindet sich im halb eingetieften Keller und zeigt den Sinn für Hygiene der Besitzer. Die „Kacheln“ sind alle aufgemalt und mit viel Aufwand mit Sternen verziert worden. Wie lange das wohl gedauert haben mag und wer das gemacht hat?


Sogar die interessant gewölbte Decke ist „gekachelt“!


Herdstelle. Ab und zu wird hier noch bei Darstellungen gekocht


Gartensaal, das Herzstück des Schloßes. Die Stuckvertäfelung ist noch weitgehend original. Die Bemalung basiert auf Pigmentresten an den Wänden und Türen


Wie einstmals kann man auch heute wieder in den Garten gehen


Der Ofen hat zur Raumgröße das passende Puppenhausformat. Er ist aus dem 18. Jh. und wurde an den mutmaßlichen Standort des früheren Ofens gesetzt


Türchen zum Befeuern des Ofens

Die beiden Nebenkammern sind wie bereits erwähnt in ihrer Nutzung unbekannt. Jedenfalls hat eine Kammer eine Wandnische, in die ein Bett paßt. War es ein kleines Schlafzimmer für den adeligen Herrn?


Blick zum „Grumatsberg“ im Freilandmuseum


So könnte es einst im 18. Jh. ausgesehen haben


Eine Spende von mir …nein, die hätte ich vielmehr selber gerne


Detail der Einlegearbeit


Mal schnell auf den Abort …; hier gingen wohl vorzugsweise die Bediensteten hin, da in einer Kammer neben dem Gartensaal ein Abort für die Herrschaft vermutet wird

Meiner Ansicht nach sind die Kammern und der Gartensaal die Hauptaufenthaltsorte der Herrschaft gewesen, während im ersten Stock die Dienerschaft und Jagdgäste untergekommen sind.


Grundriss des Erdgeschoßes


Treppengang mit Lichtfenster zum ersten Stock


Aus einem der oberen Fenster geschaut

In einem Raum gibt es Informationen über die höfische Mode, Perücken und andere Details aus dem Leben der Adeligen.


Beispiele für adelige Kleidung, etwa Mitte 18. Jh.


Eines der Zimmer wurde in seiner Ausstattung der 1940er bis 1976 nach Erinnerungen eines Bewohners gestaltet.Tapete und Elektrik sind original


Türdetail. Der kurze Ausflug ins Schloß ist beendet“